Freitag, 8. September 2017

[Rezension] abgebrochenes Buch - Li

Isabella Maria Kern - Li - Tote Mädchen machen keinen Sex


Angaben zum Buch:
Titel: Li - Tote Mädchen machen keinen Sex.
Autorin: Isabella Maria Kern
ISBN: 978-3-86963-227-8
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Preis: 16,00 EUR
Verlag: Iatros


Inhalt:
Nach seinem ersten Besuch in einem Bordell ist für Peter, einem arroganten Journalisten, nichts mehr, wie es war. Die Lust auf Sex ist ihm sofort vergangen, als er dort auf die minderjährige Li trifft, und er verspricht, ihr zu helfen. Aber Li nimmt sich noch in derselben Nacht das Leben. Er versteckt Beatrice, die von ihren Zuhältern gesucht wird, bei sich, riskiert damit sein Leben, und wird obendrein gekündigt. Als er dann noch Lis Stimme hört, meint er den Verstand zu verlieren …

Ob man an paranormale Aktivitäten glaubt oder nicht, ist eine Sache, die andere ist die Geschichte von Peter, unserem Protagonisten, der Lis Stimme hört, nachdem sie ihrem jungen Leben ein Ende gesetzt hat. Ein Selbstmord, ein Mord, die Liebe und der wohl aussichtslose Kampf um eine bessere Welt, führt den Leser durch einen spannenden, paranormalen Thriller.

Autorin:
Aufgewachsen mit Pferden, Schafen und Hasen im schönen, hügeligen Mühlviertel, habe ich gelernt, die Natur und die Tiere zu respektieren. Liebe, Toleranz und Frieden sind die Voraussetzungen für das Gelingen eines guten Miteinanders auf unserem schönen Planten, den wir schützen und nicht zerstören sollen. Ich schreibe Bücher, betreibe ein Kleinwasserkraftwerk und arbeite als Krankenschwester.

Quelle: Iatros Verlag

Meinung:
Ein sehr wichtiges und meist totgeschwiegenes Thema greift Isabella Maria Kern mit ihrem Buch auf. Es geht um Li, die als junges Mädchen von ihrer armen Familie in Vietnam an einen reichen Europäer verkauft wird, im Glauben, in Europa würde es ihre Tochter besser haben, könnte dort gesellschaftlich aufsteigen und gute Arbeit bekommen. Stattdessen erwartet Li, wie viele andere Mädchen, ein Leben in Angst und Gewalt. Sie werden zur Prostitution gezwungen und haben keinerlei Chance aus diesem Leben zu entkommen. So denkt auch Li und nimmt sich vor Scham und Ekel das Leben.
Ein wirklich gut recherchiertes Thema und eine gut ausgearbeitete Geschichte, doch leider konnte ich das Buch nicht bis zum Ende lesen. Warum, das will ich euch hier erklären.

Ich persönlich breche mittlerweile recht häufig Bücher ab, die mich vom Thema nicht interessieren. Doch dass ich ein Buch abbreche, dessen Thema ich wirklich interessant und wichtig finde, das passiert nur sehr selten.
Normalerweise gebe ich einem Buch 50 Seiten. Wenn es mich bis dahin nicht gepackt hat, lege ich es weg. Diesem Buch habe ich, aufgrund des wirklich guten Inhalts 200 Seiten gegeben, doch am Ende musste ich dann aber für mich feststellen, dass ich einfach nicht mehr über die vielen Orthografiefehler hinwegsehen konnte.
Es tut mir in der Seele weh, weil ich die Geschichte wirklich gut finde und ich möchte auch hier deutlich klarstellen, dass es nichts mit dem Inhalt zu tun hat, dass ich es nicht zu Ende lesen konnte. Daher erhält das Buch von mir auch 3 Sterne (eigentlich 2,5).
Mir ist unbegreiflich, wie ein Verlag ein solches Buch in Druck geben kann. Dieses Buch wimmelt nur so vor Rechtschreib- und Satzzeichenfehlern. Auch ist die Sprache teilweise zu monoton gehalten, sodass man irgendwann mit den Gedanken abschweift. Ein ordentliches Lektorat und Korrektorat hätte dem Text nicht nur gutgetan, sondern ihm auch den Schliff gegeben, den er benötigt, um als verkaufsfähige Literatur auf dem Markt zu bestehen.
Ich will mich von Fehlern in meinen eigenen Texten nicht freisprechen, aber wenn man schon in einem Verlag veröffentlicht und nicht als Selfpublisher alles alleine macht, dann kann man von diesem Verlag auch ordentliche Arbeit verlangen. Und die hat er hier definitiv nicht gemacht.
Mich persönlich ärgert so etwas sehr, denn es lässt die Autorin und auch ein Stück weit die Verlagsbranche in schlechtem Licht erscheinen und das haben beide nicht verdient.

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich diese Rezension schreiben soll, aber ich finde, auch eine negative Meinung sollte ausgesprochen werden.
Wenn der Käufer 16,00 EUR für dieses Buch ausgibt und dann am Ende enttäuscht ist, weil er beim Lesen immer wieder über Fehler stolpert (ich spreche von durchschnittlich 5 Fehlern pro Seite), dann lässt es nicht nur Leser frustriert zurück, sondern man könnte sich ernsthaft fragen, warum man so viel Geld für solch schlechte Qualität ausgeben muss. Noch einmal möchte ich betonen, dass ich nicht die Qualität des Inhalts meine. Aber weiter im Szenario.
So greifen diese Leser nun vielleicht lieber zu den 99 Cent Artikeln, die vor Fehlern zwar nur so strotzen, doch hier wissen sie wenigstens, sie brauchen für diese „Unterhaltungsliteratur“ nicht viel ausgeben. Wenn wir (und da zähle ich mich als Literaturwissenschaftlerin eindeutig dazu) in der Verlagsbranche qualitativ hochwertige Literatur auch weiterhin verkaufen möchten (und das geht nicht für 2,50 EUR oder weniger), dann müssen wir auch dementsprechend arbeiten.

Mir tut es leid, dass es ausgerechnet ein Werk einer Autorin getroffen hat, die ich persönlich sehr nett finde und der ich von Herzen gönnen würde, wenn sie das Buch in überarbeiteter Form noch einmal veröffentlichen könnte.

Fazit:
Obwohl das Thema sehr wichtig und der Plot gut recherchiert ist, kann ich dem Buch nur 2,5 bzw. aufgerundet 3 Sterne geben, da es leider zu viele Orthographie- und Satzzeichenfehler enthält.

Kommentare:

  1. Das würde mir den Lesespaß auch verderben - schade.
    Liebe Grüße, Inge

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    1. Liebe Inge,
      freue mich, dass du mir einen Kommentar hier gelassen hast.
      Liebe Grüße
      Tamara

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  2. Guten Abend liebe Tamara,
    entschuldige bitte, dass ich erst heute wieder bei Dir vorbei sehe. Zeitlich habe ich gerade einen Engpass, aber jetzt bin ich auch wieder da:)
    Das ist ja wirklich allerhand, wenn ein Buch nicht des Inhalts wegen sondern der Rechtschreibung weggelegt werden muss. Da kann ich Dich sehr gut verstehen, ich habe bis vor kurzem auch ein Buch gelesen, dass mich von der Thematik interessiert hat, aber die ständige Komma-Falschsetzung regte mich so extremst auf..
    Naja schade wenn so viel Potenzial verloren geht, wünsche Dir dennoch ein wundervolles Wochenende
    Liebste Grüße
    Andrea
    http://www.printbalance.blogspot.de

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    1. Liebe Andrea,

      schön wieder mal von dir zu lesen. Freut mich sehr, dass du mir einen Kommentar hier lässt.
      Ich habe übrigens deinen Blog jetzt auch in meinen RSS-Reader eingetragen. So verpasse ich keinen deiner Beiträge mehr.

      Liebe Grüße
      Tamara

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  3. Hey meine Feine!

    Eine absolut gelungene Buchbesprechung - klar differenziert was dich dazu brachte, es unausgelesen zur Seite zu legen. Was sehr sehr schade ist, denn thematisch spricht es mich absolut an. Ich an deiner Stele würde den Link deiner Rezi an den Verlag schicken - mit Glück wird es eine weitere, überarbeitete Auflage geben! Denn wie schade ist es, wenn eine Geschichte aufgrund mangelnder Korrektur die Leserschaft nicht einnehmen kann.

    Und wie ich dir ja vorab schon sagte - absolut wichtig und richtig auch solche Besprechungen zu veröffentlichen! Zumal du ganz klar erläutert hast was dich störte und dabei nicht persönlich geworden bist - alles richtig gemacht ;)

    Hab einen mukkeligen Freitag!

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    1. Liebe Janna,

      du glaubst gar nicht, was mir gerade für ein Stein vom Herzen gefallen ist. Ich bin wirklich froh, dass der Artikel so rüberkommt wie er sollte.
      Ja, vielleicht sollte ich den Link wirklich mal an den Verlag weiterleiten. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es in ihrem Interesse ist, dass das Buch so über den Ladentisch geht.
      Ich wünsche dir auch einen schönen Abend und danke dir für deine Worte.

      Liebe Grüße
      Tamara

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    2. Absolut! Du hast wunderbar begründet woran es lag und definitiv an den Verlag schicken! So hat auch die Autorin die Chance mit ihrem Buch im Ganzen zu überzeugen - gerade wenn doch die Thematik anspricht und einnimmt, ist es mehr als schade wenn es am Lektorat/an der (fehlenden) Korrektur liegt, das es beiseite gelegt wird!

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  4. Liebe Tamara,
    das passiert in letzter Zeit leider immer häufiger, dass man in manchen Büchern ständig über Fehler stolpert. Mal fehlen Wörter oder sind im Sinn völlig falsch angebracht, mal hängt es an der Grammatik, mal an der Rechtschreibung. Das stört den Lesefluss zum Teil ungemein und verdirbt einfach die Freude am Buch. Ich kann dich gut verstehen, und auch ich frage mich manchmal, wieso Bücher so durch sämtliche Stufen der Korrektur kommen. Danke für deine ehrliche und sachliche Rezension.
    Liebe Grüße
    Susanne

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    1. Liebe Susanne,

      oh, für deine Worte danke ich dir. Ja, da hast du recht. Es ist mittlerweile oft so, dass Bücher kein ordentliches Lektorat/Korrektorat erhalten. Das finde ich unmöglich und kann nicht verstehen, wie ein Verlag so etwas durchgehen lassen kann. Schließlich fällt es doch auf den Verlag zurück, der das Buch herausbringt.
      Ich wünsche dir einen schönen Abend und ein tolles Wochenende.

      Liebe Grüße
      Tamara

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  5. Liebe Tamara,
    vielen Dank, dass du diesen Beitrag doch geschrieben hast. Ich beobachte selbst immer mehr, dass Verlage offenbar bei Lektorat und Korrektorat schludern. Okay, als Autor/en sind wir vielleicht noch ein wenig pingeliger, weil wir ein Auge für Fehler entwickeln (müssen), aber 5 Fehler pro Seite? In einem Verlagsbuch? Sorry, notsorry... das geht garnicht.
    Lieben Gruß
    Jürgen

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    1. Lieber Jürgen,
      danke dir für dein Kommentar. Gerade weil ich selbst in einem Verlag arbeite, finde ich es wirklich schlimm, dass manche Verlage auf so etwas keinen Wert mehr legen. Das lässt die ganze Verlagslandschaft in schlechtem Licht erscheinen und natürlich fragen sich dann viele Autoren, warum sie noch zu einem Verlag gehen sollen, wenn sie die Leistungen, die ein Verlag bringen sollte, nicht bringt.

      Liebe Grüße
      Tamara

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  6. Ich habe auch schon Bücher aus dem gleichen Grund abgebrochen. Ich kann einfach nicht in die Geschichte eintauchen, wenn ständig zum Beispiel Relativsätze mit ", das ... " eingeleitet werden, obwohl in den Fällen ein "dass" dort stehen müsste oder wenn andere grundlegende Regeln missachtet werden (keine oder ständig falsche Kommata etc.). Das verdirbt das Lesevergnügen so sehr, dass der Inhalt dann leider in den Hintergrund rückt. Beim Lesen staut sich dann auch so eine Gereiztheit/Wut an, da macht mir das Lesen keinen Spaß mehr.
    Ich kann deine Rezension daher absolut nachvollziehen und finde es auch wichtig, dass das einmal erwähnt wird!
    Die äußere Form ist bei einem Buch ebenfalls bedeutend. Bücher, die zum Beispiel künstlich auf glatte Seitenzahlen aufgeblasen werden, sehe ich auch kritisch. Zum Beispiel, wenn eine deutlich größere Schrift gewählt wird und dann noch mit höherem Zeilenabstand gearbeitet wird, um die fehlende Textlänge zu kompensieren. (Von extragroß gedruckten Büchern rede ich hier nicht, das ist ja etwas ganz anderes.) Letztens habe ich ein solches Buch gelesen und dann mal Zeichen gezählt und ausgerechnet, dass die Geschichte mit ca. 200 Seiten erzählt gewesen wäre, die letzten 100 Seiten kamen ausschließlich durch größere Schrift zustande.
    So etwas kann bei einer Rezension genauso wie Orthographiefehler gerne auch negativ angemerkt werden. Denn in beiden Fällen ist es schade um das Geld.

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    1. Liebe Jenny,
      schön, dass du bei mir vorbeischaust. Das Problem des "Aufplusterns" kenne ich auch. Gerade bei Young Adult fällt mir das auf. Dort wird gerne auf mehr Seiten gepimpt.
      Ja, die Wut, die man beim Lesen dann entwickelt, die hält einen davon ab, so richtig in die Geschichte hineinschlüpfen zu können. Das nimmt einem dann wirklich die Freude am Lesen.

      Ich wünsche dir einen schönen Tag.

      Liebe Grüße
      Tamara

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  7. Liebe Tamara
    Das ist ja wirklich peinlich vom Verlag. Die sollten sich doch einen Lektorat leisten können, der das Buch wirklich gut korrigiert, damit das Buch ohne Fehler veröffentlicht werden kann. Hi und da ein kleiner Fehler finde ich nicht schlimm, aber wenn sich auf jeder Seite einer eingeschlichen hat, ist das wirklich mühsam.
    Ich 'rezensiere' übrigens auch abegbrochene Bücher. Ich finde es immer spannend zu lesen wieso man das Buch abgebrochen hat, gerade bei sehr gehypten Büchern braucht es auch negative Stimmen, sonst entsteht oft ein falschen Bild.
    Liebe Grüsse, Julia

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    1. Liebe Julia,
      danke dir für deinen schönen Kommentar. Ja, ich verstehe auch nicht, warum der Verlag da keinen Wert drauf legt.
      Normalerweise bespreche ich auch abgebrochene Bücher, aber hier war es mir so schlimm, weil ich die Autorin wirklich nett finde. Da hat man noch mal eine andere Hemmschwelle. Sonst waren es immer Bücher, die ich irgendwann mal gekauft habe und wo ich den Autor nicht kenne.

      Liebe Grüße
      Tamara

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